Zu billig als Freelancerin? Die Angst, die Preise zu erhöhen
2026-10-12
Donnerstag, 10:12 Uhr. Du sitzt im Wartezimmer deines Steuerberaters und hältst einen Pappbecher mit lauwarmem Kaffee in der Hand. Auf dem Tisch liegen zwei Zeitschriften, die älter sind als dein letzter Kunde. Im Rucksack steckt der Ordner mit den Belegen. Diesmal ist er ordentlich. Du bist stolz darauf, aber nur ein bisschen.
Stell dir vor, du heißt Mara, bist Grafikdesignerin und im vierten Jahr selbstständig. Die Aufträge laufen. Im Kalender ist kaum eine Lücke, und genau das macht dich misstrauisch.
Denn irgendetwas stimmt nicht. Du arbeitest viel und bist müde, und am Monatsende fühlt sich das Konto an wie ein Bahnsteig kurz nach der Abfahrt: leerer, als es sein dürfte.
Der Gedanke, den du nicht ausgesprochen hast
In diesem Wartezimmer taucht er auf, ganz leise: Vielleicht verlange ich zu wenig.
Du kennst ihn schon. Er kam beim letzten Angebot, das du dreimal umformuliert hast, bevor du auf Senden gedrückt hast. Er kam, als ein Kunde „Ach, das geht doch schnell, oder?“ gesagt hat und du „Klar, kein Problem“ geantwortet hast, obwohl es ein halber Tag war.
Und er kam, als du deinen Stundensatz neulich einer Kollegin genannt hast. Sie hat kurz geschwiegen. Nicht lange, aber lange genug.
Du hast das Thema weggeschoben. Preise erhöhen heißt, jemandem etwas Unbequemes zu sagen. Es heißt, dass er vielleicht Nein sagt. Und wenn er geht, ist da dieser eine Gedanke: Dann hast du's verbockt.
Also bleibst du bei deinen Preisen. Seit Jahren fast dieselben. Die Miete ist gestiegen, der Wocheneinkauf auch, aber dein Satz ist geblieben, wo er war, wie ein Versprechen, das du irgendwann mal gegeben hast und nie zurücknehmen darfst.
Was das leise kostet
Das Teure daran sind nicht nur die Euro, die jeden Monat fehlen. Es ist das, was drumherum passiert.
Du sagst Ja zu Aufträgen, die du eigentlich nicht willst, weil du das Geld brauchst. Du arbeitest am Samstag, „nur kurz“. Du wirst ein bisschen schnippisch, wenn ein Kunde zum dritten Mal „noch eine kleine Änderung“ schreibt. Und du wirst es vor dir selbst nicht los: das Gefühl, dass du hart arbeitest und es trotzdem nicht wie ein richtiges Geschäft aussieht.
Niemand zwingt dich dazu. Es sind nur viele kleine Entscheidungen, die sich zu einem Gefühl summieren. Und dieses Gefühl heißt: Ich bin nicht so viel wert.
Dabei stimmt das gar nicht. Du weißt es nur nicht genau, weil dir die eine Zahl fehlt, an der du dich festhalten könntest.
Der Moment, in dem es klick macht
„Frau Mara? Es geht los.“
Der Steuerberater ist freundlich und ruhig. Er blättert, nickt, stellt zwei Rückfragen zu Belegen. Dann sagt er einen Satz, der nichts mit Preisen zu tun hat und der trotzdem hängen bleibt: „Das ist Ihr Jahr in einer Übersicht. Damit können Sie planen.“
Planen. Du lässt das Wort einen Moment lang nachklingen.
Denn du planst nicht. Du reagierst. Du schätzt, wie viel du brauchst, du fühlst, was „angemessen“ klingt, und nennst dann eine Zahl, bei der dir nicht der Magen wehtut. Aber was du wirklich mindestens brauchst, damit Miete, Versicherungen, Urlaub, Rücklagen und ein freier Abend zusammenpassen, das hast du nie hingeschrieben.
Auf der Rolltreppe nach unten wird dir etwas klar, das sich fast wie Erleichterung anfühlt: Es geht gar nicht um Mut. Zuerst geht es um eine Zahl, die dir gehört. Eine Zahl, die du nicht mehr rechtfertigen musst, weil sie einfach ausgerechnet ist. Mut kommt danach leichter, wenn man weiß, worauf man steht.
Das ersetzt keine Beratung, und über Steuern entscheidet weiter dein Steuerberater. Aber für das Gefühl „Ich weiß, was ich mindestens brauche“ musst du niemanden fragen. Du kannst dir diese Klarheit selbst verschaffen.
Ein ganz normaler Montag, später
Stell dir vor, es ist ein paar Wochen später. Montag, 8:40 Uhr. Draußen nieselt es, drinnen läuft die Kaffeemaschine. Dein Posteingang ist offen, aber er macht dir keine Angst.
Ein Kunde schreibt, er hätte gern ein neues Logo-Paket. Früher hättest du jetzt sofort geantwortet, vielleicht mit einer Zahl, die du unterwegs noch einmal gesenkt hättest. Heute atmest du einmal durch. Du weißt, wo deine Untergrenze liegt. Du siehst sie, schwarz auf weiß, und sie wackelt nicht.
Du schreibst ein Angebot. Der Preis ist höher als beim letzten Mal. Dein Herz klopft einen Schlag schneller, dann drückst du auf Senden. Und dann passiert etwas Unspektakuläres: Du stehst auf, gießt dir Kaffee nach und schaust aus dem Fenster.
Vielleicht sagt der Kunde Ja. Vielleicht verhandelt er. Vielleicht sagt er Nein, und auch das wäre ein Satz im Posteingang, kein Urteil über dich. Die Welt bricht jedenfalls nicht zusammen.
Um sechs klappst du den Laptop zu. Nicht, weil du mehr arbeitest, sondern weil du weniger Aufträge brauchst, um denselben Monat zu tragen. Der Abend gehört dir. Das war die ganze Veränderung. Sie hat nichts Dramatisches, sie fühlt sich nur ruhiger an.
Wenn du dich wiedererkennst
Vielleicht sitzt du gerade nicht in einem Wartezimmer, sondern in der Bahn, im Café oder auf dem Sofa. Aber der Gedanke ist derselbe: Ich glaube, ich verlange zu wenig, und ich traue mich nicht, es zu ändern.
Dann fang klein an. Nicht mit dem schwierigen Gespräch, sondern mit deiner eigenen Zahl.
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Hier kannst du sie dir ansehen
Deine Zahl wartet schon auf dich. Du musst sie nur einmal aufschreiben.
Eine beispielhafte Geschichte, geschrieben mit KI-Unterstützung.