Instagram: Was posten? Mittwoch, 10:15, Baumarkt-Parkplatz
2026-10-13
Mittwoch, 10:15 Uhr. Der Parkplatz vor dem Baumarkt ist fast leer, der Motor tickt noch nach. Auf dem Beifahrersitz liegt der Zuschnitt für die Küche, die du morgen einbaust. In der Hand hältst du einen Pappbecher, der längst lauwarm ist.
Auf dem Handy ist Instagram offen. Das Textfeld ist leer. Der Cursor blinkt.
Was poste ich heute?
Du denkst das nicht zum ersten Mal. Du denkst es jede Woche, mehrmals. Und jedes Mal fühlt es sich an, als würde dir jemand eine Prüfungsfrage stellen, auf die du eigentlich keine Lust hast.
Dieser Text ist eine beispielhafte Geschichte. Katrin, die Tischlerin, ist eine erfundene Figur.
Die Woche, die sich von hinten aufrollt
Katrin hat eine kleine Werkstatt, einen Transporter und einen Instagram-Account mit 812 Followern, die meisten davon Nachbarn, Kolleginnen und ein paar Kunden von früher. Sie weiß, dass Sichtbarkeit zählt. Ihre letzte Kundin hat sie über ein Foto gefunden: ein Eichenregal, schräges Licht, ein bisschen Staub in der Luft.
Also postet sie. Wenn sie daran denkt.
Meistens denkt sie am Sonntagabend daran. Dann sitzt sie auf dem Sofa, scrollt durch die Galerie, findet drei unscharfe Fotos und einen Hobel im Gegenlicht und fragt sich, ob das nach „Handwerk mit Herz“ aussieht oder nach „hat gerade keine Zeit“. Sie tippt einen Satz, löscht ihn, tippt einen anderen. Um halb zehn postet sie irgendetwas, nur damit es erledigt ist.
Am Montag ist das Gefühl dann nicht Erleichterung. Es ist ein leises Unwohlsein. Das Foto war okay, nicht mehr. Und am Dienstag fängt es von vorn an.
Was es dich wirklich kostet
Es sind nicht die zwanzig Minuten pro Beitrag. Es ist das, was drumherum passiert.
Das Grübeln beim Frühstück. Der Gedanke im Transporter, wenn du eigentlich den Kunden anrufen wolltest. Die Bilder, die du nicht gemacht hast, weil du mit den Händen im Leim steckst, und die dir drei Tage später fehlen. Die Scham, wenn eine Bekannte sagt: „Bei dir ist ja gar nichts mehr zu sehen.“
Und dann das Rechnen im Kopf. Wenn du ehrlich zusammenzählst, frisst Instagram bei Katrin vielleicht fünf, sechs Stunden in der Woche. Nicht am Stück, sondern in Krümeln, über alle Tage verstreut. Stunden, die sie weder abrechnen noch genießen kann.
Das Unangenehmste: Sie weiß nicht einmal, ob es etwas bringt. Sie postet, weil man das eben macht. Wie jemand, der jeden Tag zum Fitnessstudio fährt und nie hineingeht.
Der Satz einer Kundin
An diesem Mittwoch kommt der Wendepunkt nicht als großer Moment. Er kommt als Nebensatz.
Zwei Tage später steht Katrin bei einer Kundin in der Küche, misst eine Nische aus und hört, wie die Frau beiläufig sagt: „Ich plane im Büro immer alles einen Monat im Voraus, sonst drehe ich durch. Ein Raster, ein paar Themen, fertig. Dann muss ich nur noch umsetzen.“
Katrin nickt und misst weiter. Aber auf dem Heimweg hängt der Satz in ihr. Dann muss ich nur noch umsetzen.
Sie hat nie darüber nachgedacht, dass das Problem vielleicht gar nicht fehlende Ideen sind. Ideen hat sie genug: der Einbau am Donnerstag, der Eichenstapel, die Maserung, die sie jedes Mal wieder anfasst. Was fehlt, ist ein Ort, an dem das alles schon liegt, bevor der Sonntagabend kommt.
Ein Montag, an dem nichts blinkt
Stell dir vor, wie es sich anfühlt, wenn dieser Ort existiert.
Montag, 8:40 Uhr. Du stehst mit dem Kaffee in der Werkstatt, die Säge ist noch aus. Du wirfst einen kurzen Blick auf eine Übersicht: Diese Woche sind drei Beiträge geplant. Einer ist halb vorbereitet, einer wartet nur auf ein Foto vom Donnerstag, einer ist ein Text, den du vor zwei Wochen an einem ruhigen Nachmittag geschrieben hast.
Du schaust zehn Sekunden hin und weißt: Das ist im Griff.
Dann machst du, was du am besten kannst. Du baust die Küche ein. Und als der Schrank endlich im Licht steht, zückst du das Handy, weil du weißt, was heute gebraucht wird. Du musst nichts erfinden, nur fotografieren.
Am Sonntagabend läuft ein Film. Der Cursor blinkt nirgends.
Das ist keine Zauberei. Es ist einfach so, dass die Entscheidungen früher fallen, nämlich einmal, in Ruhe, statt jeden Tag unter Druck. Ein Kalender, in dem du siehst, was kommt, was fertig ist und was fehlt. Ein Platz für Bildunterschriften und Hashtags, damit du sie nicht jedes Mal neu zusammensuchst.
Nicht mehr, sondern leiser
Katrin postet danach nicht plötzlich täglich. Sie postet, was sie schafft, und sie weiß vorher, was das ist. Manche Wochen ist es nur ein Beitrag. Das ist in Ordnung, denn die Lücke ist jetzt eine Entscheidung und kein Versäumnis.
Und der Kopf wird frei. Beim Frühstück denkt sie an Brot statt an Reichweite. Im Transporter ruft sie den Kunden an, den sie eigentlich anrufen wollte.
Das ist es, was wir an dieser Geschichte mögen: Nicht dass Instagram plötzlich besser läuft, das kann niemand versprechen. Sondern dass es aufhört, deine Woche zu fressen.
Wenn du dich im Transporter wiedererkannt hast
Wenn du beim Lesen genickt hast, weil bei dir der Cursor an einem anderen Ort blinkt, am Küchentisch, im Salon, im Home-Office, dann gibt es eine ruhige Möglichkeit, dir diesen Ort zu bauen.
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Und wenn nicht jetzt: Dann lass den Gedanken einfach mal im Transporter sitzen. Er findet dich schon wieder.
Eine beispielhafte Geschichte, geschrieben mit KI-Unterstützung.