Kein Plan für 2027 als Freelancer? Der Anruf um 10:30
2026-10-15
Donnerstag, 10:30 Uhr. Mara sitzt am Küchentisch, der Kaffee ist schon lauwarm, auf dem zweiten Bildschirm läuft ein Entwurf für eine Verpackungsillustration. Dann klingelt das Telefon. Es ist Herr Brandt, ihr Kunde aus Hannover, freundlich wie immer.
„Frau Keller, wir planen gerade das erste Quartal. Wie sieht es bei Ihnen nächstes Jahr aus? Hätten Sie Luft für drei, vier Projekte?“
Mara öffnet den Mund. Und weiß nichts.
„Ich schaue mal in meinen Kalender und melde mich“, sagt sie. Ihre Stimme klingt ruhig. Innen drin klingt etwas ganz anderes.
Der Satz, der nach Ausrede klingt
Sie legt auf und starrt auf den Bildschirm. Ein Kalender. Ja, den gibt es. Er zeigt Termine bis Ende November, danach viel Weiß. Sie weiß nicht, ob das Weiß „frei“ bedeutet oder „noch nicht eingetragen“.
Wie viele Projekte passen überhaupt in ein Quartal? Wie viel Umsatz soll 2027 eigentlich zusammenkommen? Wann will sie Urlaub machen, und kann sie sich den leisten? Sie hat keine Antwort darauf. Nicht mal eine ungefähre.
Im Netz posten andere längst ihre Jahresrückblicke und „Meine Ziele für 2027“, mit schönen Schriften und klaren Zahlen. Mara scrollt kurz durch, dann klappt sie das Handy um. Es fühlt sich an, als hätten alle anderen im Sommer einen Kurs besucht, von dem ihr niemand erzählt hat.
Was das leise kostet
Das Schwierige an diesem Gefühl ist, dass es nicht laut ist. Niemand schreit. Es gibt keine Mahnung, keinen Brief vom Amt.
Es ist eher ein leises Ziehen im Hintergrund. Mara sagt zu einem kleinen Auftrag Ja, obwohl sie ahnt, dass er nicht viel bringt, einfach weil sie nicht weiß, ob sie ihn sich leisten kann, abzulehnen. Sie schiebt die Frage nach dem Urlaub vor sich her, weil sie nicht weiß, in welchem Monat es passen würde. Und sie hat die Sorge, dass ein einziger schwacher Monat alles zum Kippen bringt, ohne dass sie sagen könnte, warum.
So fährt man, ohne eine Karte anzusehen. Man kommt voran, aber man fühlt sich nie wirklich unterwegs.
Am Mittag steht sie im Supermarkt in der Schlange, vor ihr jemand mit einem vollen Wagen. Sie nutzt die Minuten und überschlägt im Kopf: Dieses Jahr war ungefähr so, nächstes ungefähr so, vielleicht. Das Wort „ungefähr“ taucht in jedem Satz auf. Als sie an der Kasse ist, hat sie keine einzige Zahl, auf die sie sich verlassen würde.
Eine Frage statt zwanzig
Am Abend ruft sie ihre Freundin Svenja an, die als Übersetzerin arbeitet. Mara erzählt vom Anruf. Svenja lacht nicht, sie sagt nur: „Das kenne ich. Bei mir war es letztes Jahr genauso.“
Sie erzählt nichts von Geheimtricks. Sie sagt nur einen Satz, der hängen bleibt: „Ich habe aufgehört, das ganze Jahr auf einmal zu denken. Ich wollte erst nur wissen, wie viel Platz ich überhaupt habe.“
Platz. Nicht Ziele, nicht Vision, nicht Strategie. Wie viele Wochen hat das Jahr, wie viele davon gehören ihr, und wie viele davon sind schon vergeben?
Mara legt auf und merkt, dass sich etwas verschoben hat. Die Aufgabe war gar nicht zu groß. Sie hatte nur keinen Ort, an dem sie sie hinlegen konnte.
Ein Dienstagmorgen, der anders anfängt
Stell dir vor, es ist ein paar Wochen später. Es ist Dienstag, kurz nach neun. Der Kaffee ist noch heiß.
Herr Brandt ruft wieder an, wegen der Quartalsplanung. Diesmal öffnet Mara vorher nur eine einzige Datei. Sie sieht, welche Wochen im ersten Quartal schon belegt sind, wo Luft ist und wo sie den Urlaub eingeplant hat. Sie sieht, welche Projekte in der Pipeline stehen und welche noch Wunsch sind. Sie sieht auch, was sie im Jahr verdienen möchte und wie weit sie sich dem nähert.
„Für Januar und Februar habe ich Platz für zwei größere Projekte“, sagt sie. „Im März bin ich eine Woche weg. Ab April kann ich wieder mehr.“
Ein kurzes Schweigen am anderen Ende. Dann: „Perfekt, dann schreibe ich Sie fest ein.“
Sie legt auf, und es ist erstaunlich still im Kopf. Kein Ziehen im Hintergrund. Der Tag gehört wieder ihr, und die Illustration auf dem Bildschirm wird einfach fertig.
So wirkt ein Plan, wenn er nicht groß sein muss. Er verspricht dir kein perfektes Jahr. Er gibt dir nur einen Ort, an dem Einnahmen, Kapazität und freie Tage zusammenstehen, damit du antworten kannst, ohne zu raten.
Du bist nicht zu spät
Vielleicht liest du das im Oktober oder November und denkst: Ich bin doch längst hinterher. Die anderen haben ihr Jahr schon sortiert.
Wahrscheinlich nicht. Viele, die selbstständig arbeiten, schieben diese Frage genau so vor sich her, nur reden sie selten darüber. Und ein Plan für 2027 muss nicht heute fertig sein. Er muss nur irgendwo anfangen können, an einem ruhigen Platz, ohne dass du erst alles wissen musst.
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Eine beispielhafte Geschichte, geschrieben mit KI-Unterstützung.